Auswirkungen der Corona-Krise (2/2)

Sie ist das Thema der letzten Wochen und Monate: die Corona-Krise. Es wurde viel berichtet und diskutiert. Doch wie sieht die Lage in mittelständischen Unternehmen mit globaler Präsenz aus?

Welche Auswirkungen die Pandemie für ein Unternehmen wie POLIFILM auf Kunden und Märkte hat und wie das Unternehmen bestmöglich darauf reagierte, lasen Sie im ersten Teil des Interviews mit den  POLIFILM Teilkonzern CEOs Paul Beaver, POLIFILM PROTECTION, und Eckehard Betz, POLIFILM EXTRUSION. Wie man aber gemeinsam mit seinen Mitarbeitern möglichst unbeschadet durch eine Pandemie kommt, was Führungskräften in diesen Zeiten hilft und ob es danach noch einmal so wie vorher sein kann, lesen Sie hier.

 

Was, würden Sie sagen, hat die Corona-Krise bei POLIFILM verändert?

EB: Die Krise hat uns noch mehr zusammengeschweißt. Wir waren ein Team auf dem Papier, jetzt sind wir es im täglichen Leben. Gemeinsam haben wir die Krise soweit gemeistert und ich bin mir sicher, dass uns jetzt so schnell nichts mehr aus der Bahn werfen kann.
 
PB: Wir sind alle stärker geworden. Die Mitarbeiter haben dem Management gezeigt, wie sehr sie sich dafür einsetzen jeden einzelnen Kunden zu halten. Im Gegenzug dazu haben wir gezeigt, dass wir ein zuverlässiger Arbeitgeber sind. Nicht einer musste bis jetzt ohne Job durch Corona kommen. Wir haben gezeigt, dass Familienunternehmen für uns mehr als ein Begriff, sondern fest in unserer Kultur verankert ist. 

 

Hat sich etwas in Ihrer Rolle als CEO geändert?

EB: Eher nicht. Als CEO hat man viele Hüte auf und manchmal ist der eine größer als die anderen. Jetzt war es eben der Krisenhut. Zum Schluss ist der CEO erfolgreich, der eine schlagkräftige Mannschaft um sich hat. Und unsere Mannschaft ist bärenstark.

PB: Ich habe vielleicht ein paar mehr graue Haare als zuvor (Anmerk. D. Red. Beaver lacht). Wirklich geändert hat sich aber höchstens, wo ich physisch als CEO arbeite. Statt vor Ort bei den Gesellschaften zu sein, saß ich sieben Monate am Schreibtisch.

 

Auf welche drei Werkzeuge, möchten Sie in einer solchen Situation nicht mehr verzichten?

PB: Erfahrung. Flexibilität. Organisches Management.

EB: Kommunikation. Gesunden Menschenverstand. Und Schwarmintelligenz, was mit Pauls organischem Management gleich zu setzen ist. 

 

Würden Sie bitte jeweils eines davon wählen und genauer erläutern?

PB: Ich möchte auf Erfahrung näher eingehen. 20 Jahre POLIFILM haben mich mit dem Wissen ausgestattet nicht nur zu wissen, welches einzelne Produkt mit welcher Technik hergestellt werden kann, sondern auch einschätzen zu können, welche der individualisierten Produktionen fähig ist eine andere – temporär – zu ersetzen. Als die Krise in China begann, konnten wir ausgewählte Produkte nach Italien verlagern. Als Corona dort ankam, konnten wir beispielsweise auf Frankreich ausweichen und dann sukzessive wieder auf China umstellen. Das klappt nicht, wenn man nicht weiß, wie der Hase läuft und was zu welcher Produktion und dem Können der Leute vor Ort am besten passt.

EB: Da wir es beide genannt haben, möchte ich auf die Schwarmintelligenz und das gemeinsame Durchschiffen der Krise eingehen.  In unserer ersten Besprechung zum Thema Corona waren wir uns alle bewusst, dass keiner von uns jemals eine Pandemie gemanagt hat. Deswegen sagten wir uns, dass wir dies nur durch Zuhilfenahme aller unserer verschiedener Erfahrungen, Kenntnisse und Ideen schaffen können. Besonders bei den schwierigen Entscheidungen hat uns das geholfen. Denn das, was rauskam, war besser als die Summe der besten Ideen, die jeder einzelne von uns hatte. Das nannten wir dann im Scherz „Schwarmintelligenz“. Heute ist das kein Scherz mehr, sondern tägliche Routine.

 

Sie sagten es bereits, POLIFILM ist Familienunternehmen. Welchen Rat würden Sie Ihrem Führungskräftenachwuchs geben, wenn er vor einer ähnlichen Situation stünde?

EB: Nutzen Sie die oben genannten Werkzeuge und seien Sie nicht verzagt. Lassen Sie sich nicht einschüchtern. Wenn Sie die Werkzeuge gut anwenden, dann können eigentlich keine falschen Entscheidungen rauskommen. Entscheidungen sind sowieso überbewertet, solange man das Ziel im Auge behält. Die meisten weisen an einer Weggabelung nur den Weg. Ob der andere Weg im Nachhinein besser gewesen wäre, interessiert nur Politiker. Solange Sie und Ihr Team die Augen offenhalten und regelmäßig reflektieren, wird der eingeschlagene Weg über viele weitere Weggabeln hinweg zum Ziel führen. 

PB: Ruhe bewahren. Wirklich immer Ruhe bewahren und sich nicht zu sehr um die Situation sorgen, in der man gerade steckt. Während meiner gesamten Zeit bei POLIFILM haben wir noch jede Herausforderung, die auf uns zu kam, durchgestanden und gemeistert. Dabei hilft es uns unwahrscheinlich ein großes Problem immer als das anzusehen was es ist: die Summe vieler kleiner.  Sich diese mit Verstand vorzunehmen und zu lösen, löst am Ende das große Problem. Das haben wir auch diesmal – während Corona – getan.  Dabei sind wir flexibel geblieben, haben unsere Erfahrungen genutzt und die Ressourcen der Menschen um uns herum gezielt eingesetzt. Genau das, hat uns bis jetzt durchgebracht.


Vielen Dank für Ihre Zeit und die Einblicke in das Krisenmanagement.